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Geschichte

 

Leipzig, 110 m über NN, liegt in der geographischen Mitte Deutschlands, etwa gleich weit entfernt von den Küsten der Nord- und Ostsee (ca. 300 km) wie von den Alpen (ca. 350 km), im äußersten Süden des Norddeutschen Tieflands in einer weiten, fruchtbaren Ebene. Es entstand an der Kreuzung der alten Handelsstraßen von Nord nach Süd und von West nach Ost am Zusammenfluss von Pleiße, Elster und Parthe. Sein Name leitet sich ab von einer ursprünglich slawischen Burg »Libzi«, die erstmals in der Chronik eines Merseburger Bischofs um 1015 genannt wird. Unweit dieser Burg entstand um 1160 unter dem weltinischen Markgrafen Otto dem Reichen - seinen Beinamen verdankte er den Silberfunden bei Freiberg- die Stadt. Schon zwischen 1160 und 1170 wurde ihr das Stadt- und Marktrecht verliehen. Es existiert darüber ein Zeugnis; ein offenbar aus einer größeren Urkunde oder einem Buch herausgerissenes Stück Pergament mit dem Siegel des Markgrafen. In diesem "Stadtbrief" von Leipzig, der als Kleinod im Stadtarchiv aufbewahrt wird, werden die Rechte und Pflichten der Bürger der Stadt aufgeführt. 

Der Grundriss der Altstadt besteht heute noch fast unverändert. Das etwa 1 qkm große Zentrum der modernen Stadt entspricht mit seinen sich rechtwinkelig schneidenden Straßenzügen genau der Anlage von vor 800 Jahren. Man hat sicher zu Recht aus der Regelmäßigkeit der Anlage geschlossen, dass die Stadt nicht gewachsen, sondern ganz planmäßig aufgebaut worden ist. Rings um die Altstadt zogen sich bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts Festungswerke und eine Stadtmauer. 
Vier Haupttore führten damals in die Stadt hinein: im Osten das Grimmaische Tor, im Süden das Peterstor, im Westen das Ranstädter Tor und im Norden das Hallische Tor. Sie verschwanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts und machten einem ca. 3,5 km langen grünen Ring Platz, der die Grenze zwischen der Innenstadt, die die Bewohner Leipzigs heute noch nur die "Stadt" nennen, bildet. Am Schnittpunkt der beiden wichtigsten Straßenzüge, der Grimmaischen und der Petersstraße, ließen die sonst dicht stehenden Häuser Raum für den Marktplatz, dessen eine Längsseite seit Mitte des 16. Jahrhunderts und bis auf den heutigen Tag der schöne Renaissancebau des Alten Rathauses einnimmt. 

Von den drei Burgen, die um 1200 die Stadt beherrschten, verschwanden zwei in den folgenden drei Jahrzehnten. Die Pleißenburg im Südwesten der Stadt blieb bestehen. Auf ihrem Grund erhebt sich seit 1905 das Neue Rathaus mit dem an die einstige Burg erinnernden mächtigen Turm.

Schon Mitte des 13. Jahrhunderts hatte sich die Stadt zu einem der wichtigsten Handelsplätze in Deutschland entwickelt. Die Oster- und Michaelismärkte, bereits 1160 erwähnt, hatten rasch an Bedeutung gewonnen. 1268 erließ der Markgraf Dittrich von Landsberg einen Schutzbrief für Kaufleute, die nach Leipzig reisten. 
Um 1500 bestätigte Kaiser Maximilian I. die Vorrechte der Leipziger Märkte und machte Leipzigs Messen zu Reichsmessen. 

Zur Gunst der Lage im Mittelpunkt Deutschlands gesellten sich Fleiß, Tüchtigkeit, unternehmerischer Mut der Bewohner und die Weitsichtigkeit des Rates. Die Unterstützung durch die Weltiner tat ein übriges, und schon um 1700 hatten die Messen von Leipzig die von Frankfurt/Main überflügelt.

Für die Entwicklung des geistigen Lebens der Stadt war die 1409 erfolgte Gründung der Universität entscheidend. Für den wirtschaftlichen Aufschwung - neben dem Ertrag der Messen- vor allem die reichen Erzfunde am Ende des 15., und zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Erzgebirge, in Schneeberg, Annaberg und Marienberg. Die Leipziger Kaufleute hatten es verstanden, sich die Rechte für den Absatz der Erze zu sichern.

Neue Impulse und neue wirtschaftliche Verbindungen brachten auch die von Herzog Alba wegen ihres Glaubens vertriebenen Niederländer, die sich in Leipzig ansiedelten. Seit dieser Zeit besaß die Stadt eine besonders große und rührige Reformierte Gemeinde.

1519 war die Pleißenburg Schauplatz eines weithin Aufsehen erregenden Ereignisses: In Gegenwart des Landesherrn, Herzog Georg dem Bärtigen, kam es zu einem drei Wochen dauernden Streitgespräch zwischen Martin Luther, seinem damaligen Freund, Professor Andreas Karlstadt aus Wittenberg, und dem katholischen Theologen, Professor Johannes Eck aus Ingolstadt, in dessen Verlauf Luther die göttliche Herkunft des Papsttums und die Unfehlbarkeit der Konzilien bestritt. Der Herzog verschloss sich bis zu seinem Tode 1539 der Lehre Luthers und verbot in Leipzig den Druck der Schriften des Reformators. Erst nach seinem Tode konnte sich die Reformation in Leipzig, in dem Luther schon lange die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hatte, frei entfallen. Aus der katholischen Universität wurde eine protestantische.

Der wachsende Reichtum der Stadt spiegelte sich in seinen neu entstehenden Bürgerhäusern. Die vier großen Kirchen der Stadt wurden zu Hallenkirchen umgebaut. Kriegszeiten unterbrachen in der Folge mehrfach den Aufstieg der Stadt. Zunächst brachte der Schmalkaldischen Krieg 1547 eine drei Wochen andauernde Belagerung und Beschießung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Leipzig fünfmal belagert und fünfmal eingenommen, zuletzt durch die Schweden 1642, die dann acht Jahre lang in der Stadt blieben.

Große Schlachten fanden unmittelbar vor den Toren von Leipzig statt; 1631 bei Breitenfeld, als Gustav Adolf von Schweden die kaiserlichen Truppen unter Tilly schlug und damit den Schweden den Weg nach Süddeutschland freikämpfte, 1632 bei Lützen, als Gustav Adolf fiel, und 1642, als der schwedische Befehlshaber Torstenson - wieder bei Breitenfeld - das kaiserliche Heer besiegte. Über eine Million Taler mussten die etwa 15000 Einwohner der Stadt für die Schweden aufbringen. Dennoch erholte sich die Stadt erstaunlich gut.

1686 fanden nach den Niederländern auch die französischen Reformierten, die Hugenotten nach der Vertreibung durch Ludwig XIV., Aufnahme in Leipzig. Ihre Spur ist bis heute in der Stadt zu verfolgen. Der Handel mit den Niederländern und mit dem Osten, schon 1573 waren Handelsbeziehungen mit Moskau aufgenommen worden, verstärkte sich stetig, die Messen gewannen immer größere Bedeutung, der Reichtum wuchs.
Die Einwohnerzahl stieg von etwa 8000 im Jahre 1500 über 17000 im Jahre 1700 auf rund 25000 um 1750, bis 1756 der Siebenjährige Krieg die Stadt wieder weit zurückwarf. Fast jeder Krieg nahm für Sachsen und Leipzig einen unglücklichen Verlauf, so auch dieser. Die Preußen unter Friedrich II, setzten sich während des gesamten Krieges in Leipzig fest und forderten mehr als 10 Millionen Taler Kontribution. 

Aber selbst nach diesem Aderlass erholte sich die Stadt unerwartet schnell. Um 1800 zählte man 32.000 Einwohner. Genau 50 Jahre nach dem Ende des Krieges aber war die friedliche Entwicklung schon wieder vorüber. Die Befreiungskriege gegen Napoleon I, erschütterten die Stadt von neuem. Diesmal war die unmittelbare Umgebung in den Tagen vom 16. bis 19. Oktober 1813 Schauplatz der Entscheidungsschlacht. Die Preußen, Österreicher und Russen besiegten Napoleon endgültig. In den Spitälern der Stadt und in allen öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kirchen vor allem, mussten mehr als 30.000 Menschen aufgenommen werden. Seuchen suchten die Einwohner heim.

l836 brachte der Bau der Eisenbahnlinie von Leipzig nach Dresden (135 km), Deutschlands erste größere Linie überhaupt, neuen Auftrieb. Zehn Jahre später setzte die industrielle Entwicklung in Leipzig stürmisch ein. Zu der Zeit war August Bebel nach Leipzig gekommen, 1863 gründete Ferdinand Lasalle hier den »Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein«. 

Inzwischen war Leipzig zur führenden Buchstadt Europas und der Welt geworden. Zwischen 1870 und der Jahrhundertwende hatte Leipzig eine einzigartige Stellung als führende Handelsstadt des Kontinents gewonnen. Die Einwohnerzahl war auf 450.000 gestiegen.

Felix Mendelssohn-Bartholdy hatte dem Gewandhausorchester europäische Geltung verschafft. Das1843  gegründete Konservatorium, zu dessen Lehrern auch Robert Schumann und Clara Wieck gehörten, hatte sehr bald weltweiten Ruf. Schon zehn Jahre nach der Eröffnung waren unter seinen Absolventen nahezu 500 Ausländer.

Gewandhaus, Konservatorium und Thomanerchor machten Leipzig zu einer der führenden Musikstädte Europas. 1879 erhielt die Stadt den höchsten deutschen Gerichtshof, das Reichsgericht. Die Bedeutung Leipzigs als führende Buchstadt unterstrich die Gründung der Deutschen Bücherei, in der seit dem l. Januar 1913 das gesamte deutschsprachige Schrifttum lückenlos gesammelt wird.

Die Messen hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts gewandelt. Die Warenmesse, der Kauf der Ware selbst, war infolge des raschen Ausbaus des Verkehrs und der damit verbundenen Möglichkeit, die Ware zu versenden, nicht mehr nötig. An ihre Stelle trat die Mustermesse. Die Einkäufer fanden nun im Original Muster aller Waren vor und gaben danach ihre Bestellung auf.
Eine wertvolle Ergänzung brachte die Technische Messe, die erstmals 1919 ihre Tore im Ausstellungsgelände zwischen der Deutschen Bücherei und dem Völkerschlachtdenkmal öffnete. 1935 war die Zahl der Aussteller auf nahezu 10000, die Zahl der Einkäufer aber auf über 25000 angewachsen.
 Die Frühjahrsmesse wurde von fast einer halben Million Menschen besucht, von denen über 50000 aus dem Ausland kamen.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte auch die Tuchindustrie einen mächtigen Aufstieg genommen, nachdem 1822 die Leipziger Kammgarnspinnerei als Nachfolger einer Wollhandlung entstanden war. Ihre Bedeutung lässt sich an einer Zahl ablesen: Schon 1842 war sie mit 7500 Spindeln, die größte Spinnerei Deutschlands. Auch hier also jener Zug zu Superlativen, der in der Geschichte Leipzigs so oft wiederkehrt.

Der größte Bahnhof Europas, die meisten Verlagshäuser, Buchdruckereien und Buchbindereien, die größte Löwenzucht der Welt, die größte Bibliothek des Landes, die umfangreichsten Lexika der Welt, das gewaltigste Denkmal - die Liste ließe sich leicht bis in die Gegenwart verlängern -, die meisten Olympiasieger, die größte Sporthochschule etc.

In vielerlei Hinsicht hat Leipzig die an sich begünstigtere Rivalin Dresden klar überflügelt. In erstaunlich kurzer Zeit hat Leipzig die Entwicklung von der Klein- und Mittelstadt zur Großstadt vollzogen, von den 450.000 Einwohnern um 1900 bis zu 720.000 im Jahre1938. Jahrzehnte hindurch war Leipzig Deutschlands viertgrößte Stadt nach Berlin, Hamburg und München, wobei die Hauptstadt Bayerns jeweils nur wenige tausend Einwohner mehr aufwies.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach, schwerer noch als alle Kriege zuvor, die Entwicklung. Zwischen 1939 und 1945 musste Leipzig 13 große Luftangriffe über sich ergehen lassen, den schwersten am vierten Dezember 1943, als 400 englische Flugzeuge wesentliche Teile der Stadt in Schutt und Asche legten.
Etwa ein Fünftel aller Gebäude wurden vernichtet oder schwer beschädigt, über 5000 Tote beklagt. l945 weilten noch 580000 Einwohner in der Stadt, auf 40 männliche kamen 60 weibliche. Einmal mehr aber erwiesen sich Fleiß und Arbeitskraft der Bevölkerung als starker Motor. Trotz aller Zerstörungen und trotz der Teilung Deutschlands erholte sich die Stadt, zwar langsam aber stetig . 

Mitte der siebziger Jahre war die Einwohnerzahl wieder auf rund 610.000 gestiegen. Leistungsfähige Industriewerke sind ein ganz wesentlicher Bestandteil der starken Wirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik. Leipzig ist bei aller sonstigen tief greifenden Wandlung das geblieben, was es seit eh und je war; eine Großstadt der Arbeit.

In den ersten Jahrhunderten der Stadt entstanden an herausragenden Bauten nur die vier großen Kirchen: Thomas-, Nikolai-, Pauliner- und Matthäikirche. Erst im 16. und 17. Jahrhundert folgten behäbige Bürgerhäuser. An Größe übertrafen sie ähnliche Bauten in anderen Städten beträchtlich, in der Pracht der Fassaden aber, blieben sie weit zurück. Beides ist leicht erklärlich; die Größe, da sie immer zugleich Wohn- und Handelshäuser waren, die schlichte Fassade, weil ihre Besitzer, die Handelsherren, ihren Reichtum nicht allzu sehr zur Schau stellen wollten. 

Zum ersten Öffentlichen Bau nach dem Dreißigjährigen Krieg tat sich die Kaufmannschaft zusammen: am Naschmarkt, wo einst Obst und Gemüse verkauft wurden, das man zu jener Zeit noch als eigentlich unnötige "Nascherei" ansah. 

Hinter dem Alten Rathaus ließ sie zwischen 1678 und 1682 von dem Architekten Georg Starke als repräsentatives Empfangs- und Versammlungshaus ein zwischen Spätrenaissance und Barock angesiedeltes Gebäude errichten. Hierher führten die Kaufleute vor allem zu Messezeiten ihre Gäste. Der Name "Börse" geht auf eine niederländische Familie "van der Burse" zurück, in deren Haus in Brügge sich ebenfalls die Kaufleute trafen. Der Bau, der in seinem eingeschossigen Inneren einen kleinen intimen Festsaal mit schöner Stuckdecke barg, ist zwar einem Gartenpavillon in Dresden nachempfunden, verrät aber auch holländischen und italienischen Einfluss.

Bemerkenswert war das Portal mit dem Stadtwappen über der doppelläufigen Freitreppe. Das flache Dach ist von einer Balustrade bekrönt. An den vier Ecken erheben sich Sandsteinfiguren, an der Vorderseite Apollo und Merkur, an der Rückseite Minerva und Venus. 
Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden große Bürgerhäuser, wie Kochs Hof und Barthels Hof am Markt, das Zeisighaus am Neumarkt, das Fürstenhaus in der Grimmaischen Straße Ecke Universitätsstraße, das Romanushaus Ecke Brühl und Katharinestraße. 

Kochs Hof, das Georg Werner von 1736 bis 1739 erbaute, war das größte Bürgerhaus Leipzigs. Mit ihm und einigen anderen, Barthels Hof, Hohmanns Hof, Specks Hof, entstanden Gebäudekomplexe ganz eigener Prägung. Sie erstreckten sich von einer Straße zur nächsten parallelen, bisweilen mit 80 bis 120 m Tiefe. Sie hatten nach beiden Straßen große Tore und zwischen den Wohnhäusern oder Lagerräumen einen oder mehrere Höfe. So konnten die Wagen von einer Straße zur anderen fahren, ohne wenden zu müssen und in den Höfen entladen oder beladen werden.

Fast zwei Jahrhunderte früher ließ der siebenmalige Bürgermeister Hieronymus Lotter Die Alte Waage am Markt, Ecke Katharinestraße, errichten, die zum Wahrzeichen der Leipziger Messe wurde. In diesem schönen Haus mit seinem Renaissancegiebel war seit 1917 das Messeamt untergebracht. Hier wurden die zu den Messen nach Leipzig gebrachten Waren gewogen und verzollt. Bomben zerstörten es 1943 völlig. Inzwischen ist es wieder aufgebaut.